Dezember 2022

Bevor Millionen Menschen in aller Welt in der Weihnachtszeit sein Lied „O du fröhliche“ anstimmen, versammeln sich Verehrer des Liederdichters und Waisenhausgründers Johannes Daniel Falk (1768-1826) bereits am 28. Oktober eines Jahres an seinem Grab auf dem Historischen Friedhof in Weimar, um dem Verfasser ein Geburtstagsständchen zu bringen. Auf dem berühmten Friedhof gehört Falks Familiengrab zu den Adressen, an denen alle Besucher stehen bleiben, um den von ihm selbst entworfenen Grabspruch zu lesen. Auf dem Foto aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sind noch jene ersten beiden „grünen Linden“ zu sehen. Sie mussten wegen ihres Wuchses später entfernt werden. Zwei neue schlanke Lindenstämme haben inzwischen das topographische Patronat für Falks Grabspruch übernommen. Auf dem Bild links neben Familie Falk die Grabstätte von Ottilie, Walther, Wolfgang und Alma von Goethe. Historisches Foto: Ursula Michel.

Literaturlandschaften e.V.

Grabspruch im Originalschriftzug: „Unter diesen grünen Linden“ 

Bei seinem Gang über den Historischen Friedhof in Weimar am 4. Juli 1912 notierte Franz Kafka an dieser Stelle in sein Tagebuch: 

Alle auf dem Friedhof wiedergefunden. Grab der Goetheschen Familie. Walter(!) von Goethe geb. Weimar 9. April 1818, gest. Leipzig 15. April 1883, „mit ihm erlosch Goethes Geschlecht, dessen Name alle Zeiten überdauert“, Grabinschrift der Frau Karoline Falk: „Während Gott ihr sieben der eigenen Kinder nahm, wurde sie fremden Kindern eine Mutter. Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“