Gartenseite mit Veranda des Hauses von Arno und Alice Schmidt in Bargfeld, Kreis Celle. 1958 war das Ehepaar Schmidt von Darmstadt in das abgelegene Dorf
in der Lüneburger Heide (Südheide)  gezogen und hatte das unscheinbare Haus am Dorfrand erworben, heute mit Haus, Garten und Archiv Sitz der Arno-Schmidt-Stiftung
(Foto: Literaturlandschaften e.V., 2014) 

 

Literaturlandschaften e.V.

Arno Schmidt
über den Haustraum eines Schriftstellers
„Freilich, wenn man Geld hätte …… Ich wüßte es jetzt schon richtig anzuwenden : ein winziges Häuschen in der Heide (achttausend höchstens; nicht wie diese Bausparkassen, die mit Zwanzigtausend um sich werfen, als wär’s ein bloßer Silbenfall); im Ställchen eine Isetta; Eintausend erlesene Bücher : einmal in aller Ruhe die ‹Insel Felsenburg› durchgehen können, den ‹Nachsommer›, oder Lessing von A bis Z; zur Nacht ein richtiges Bett zum Drinniederlegen (nicht mehr dieses dürre indianerrote Gestelle von Schlafcouch!); nichts mehr ums liebe Brot schreiben zu brauchen, keine ‹experimentelle Prosa› mehr, keine feinsinnigen ‹Essays›, keine ‹Nachtprogramme›; an Uhren werden nur die lautlosen geduldet, die mit Sand und Sonne, oder höchstens im Korridor eine alte Standuhr, die alle Ewigkeiten, nachdem man vieles und vielfältiges gedacht hat, vor sich hin ‹Mnja› sagen. Den Mond untergehen sehen, über Wieseneinsamkeiten, ganz rot würde das silberne Wesen geworden sein, wenn es einsank in Dunstband und Kiefernborte …”

Aus: Arno Schmidt: Schulausflug. In: Arno Schmidt: Bargfelder Ausgabe, Werkgruppe I, Bd. 4., Zürich 1988, S. 111.

Notiz
über das ins Auge gefasste Objekt in Bargfeld
(Beschreibung auf Grund der Besichtigung vom
2. Oktober 1958)

I. Ort: Bargfeld liegt 20 km NO von Celle (dies Sitz d. zuständigen Behörden) / Einwohnerzahl 350 (~45 Häuser) / Verbindungen: in Eldingen, 3 km S, Bahnstation der Linie Celle Wittingen. – Die Landstraße selbst hört im Ort auf, da weiterhin nur Moor und ödeheide; also keinerlei Durchgangsverkehr; absolute Stille garantiert (und durch 2 Übernachtungen erprobt). / Poststelle beim Gastwirt (dort auch ein öffentlicher Fernsprecher). Ein weiteres Telefon beim Kaufmann. Keine Kirche (!). Schule am andern Ortsende, bei Schlotters; also auch diese Lärmquelle quantité négligeable. / Bei Wahlen 30% SPD=Stimmen. / Kohlenhändler und Wäscherei in Eldingen; kommen 
ins Dorf.”

Aus: Arno Schmidt: Fragmente. In: Arno Schmidt: Bargfelder Ausgabe, Supplemente, Bd. 1., Frankfurt/Main 2003, S. 337.