Februar 2022

Mit einem „passenden Quersack auf dem Rücken“ musste bereits der neunjährige Johann Paul Friedrich Richter aus dem kleinen Dorf Joditz in Oberfranken seine wöchentlichen Besorgungsgänge zu den Großeltern nach Hof antreten. Auf dem 10 km langen Wanderweg an der Saale entlang sah sich der kleine Wanderer an einigen Stellen großen Ängsten ausgesetzt. Seine Schritte beflügelte jedoch besonders die Aussicht auf das Wiedersehen mit der Nachbarstochter Augustine, einem „Bauermädchen mit Blatternarben“, das er in sein Herz geschlossen hatte. Den Weg ins Dorf, den der Stich von 1788 ebenso wie den väterlichen Pfarrgarten zeigt, wird der kleine Botengänger nach der langen Wanderung wohl stets mit besonderer Freude bei der Heimkehr betreten haben. (Foto: Joditz, Aquarell von König, 1788) 

Literaturlandschaften e.V.

Ein unbezahlbares Manuskript
 

jüngererIm „Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal“ (1792) beschreibt der spätere Dichter Jean Paul den „Risikotransport“ des Pfefferkuchens, den er aus der Stadt als Geschenk für Augustine in der Hosentasche mit sich führte. Das Manuskript des „Wutz“ hatte der junge und so gut wie unbekannte Dichter an Karl Philipp Moritz nach Berlin geschickt. Der Verfasser des Romans „Anton Reiser“, Goethes „jüngerer Bruder“ aus den gemeinsamen Tagen in Rom, schrieb nach der Lektüre des Manuskripts begeistert an den ihm unbekannten Verfasser zurück: „Es ist uns unbezahlbar. Wir bitten Sie aber, als ein kleines Zeichen unserer Achtung, hundert Dukaten von uns anzunehmen … Wer Wutz Geschichte verfaßt hat, ist nicht sterblich!“ Für den bis dahin in bitterer Armut lebenden Jean Paul bedeutete die unerwartete Geldsendung ein Geschenk des Himmels. 

Jean Paul im „Wutz“ über den Transport eines Pfefferkuchens auf dem Weg von Hof nach Joditz (Auszug)

Ich halte es für schwer, einer Geliebten einen Pfferkuchen zu schenken, weil man ihn oft kurz vor der Schenkung selbst verzehrt. Ja wurde die süße Votiv-Tafel nicht alle Viertelstunde aus der Tasche gehoben, um zu sehen, ob sie noch viereckig sei? Dies war eben das Unglück; denn bei diesem Beweis durch Augenschein, den er führte, brach er immer wenige und unbedeutende Mandeln aus dem Kuchen; – dergleichen tat er öfters – darauf machte er sich (statt an die Quadratur des Zirkels) an das Problem, den gevierteten Zirkel wieder rein herzustellen, und biß sauber die vier rechten Winkel ab und machte ein Acht-Eck, ein Sechzehn-Eck – denn ein Zirkel ist ein unendliches Viel-Eck – darauf war nach diesen mathematischen Ausarbeitungen das Viel-Eck vor keinem Mädchen mehr zu produzieren – darauf tat Wutz einen Sprung und sagte: „Ach! ich freß ihn selber“, und heraus war der Seufzer und hinein die geometrische Figur.