September 2022

„Die konnten früher einfach bauen. Die wußten, wie man einen Platz inszeniert“, schreibt Horst Krüger in seinen Reise-Essays „Tiefer deutscher Traum“ (Hoffmann und Campe 1983) über die Erfurter Dom- und St. Severi-Kulisse mit ihrer gewaltigen Freitreppe und klagt mit Blick auf die Gegenwart: „Wir wissen nichts mehr davon, dass die Welt eine Bühne ist und dass wir Menschen die Spieler darauf sind.“ Foto: G. Seeberg v. Elverfeldt

Literaturlandschaften e.V.

„Da saßen wir auf der großen Treppe vor dem Dom, und sprachen von Ribbeckenau, wie weit es sey, und wie bald und wie oft ich ihn dort besuchen könnte? Und von der Verschiedenheit der Rettiche, die in Erfurt vorzüglich sind, und eine von Hartknopfs Lieblingsspeisen waren, wobei er gewissermaßen mit Leib und Seele genoß, wenn er die geheimnißvollen Salzkörner, auf die runden Scheiben streute, und dann auf seiner Zunge das innere Wesen dieser edlen Bestandtheile in ihrer feinsten Auflösung schmeckte.“


Karl Philipp Moritz, „Andreas Hartknopf“ (1786/1790)
„Mein Abschied von Hartknopf, als er aus Erfurt gieng“

„… eine mächtige Freitreppe führt von hier die Höhe des Marienbergs zum Dom empor. Der Platz ist wohl der größte Deutschlands – ich wenigstens kenne keinen größeren -, und des darf sich der Beschauer freuen; so ist ihm die richtige Perspektive für eines der herrlichsten Architekturbilder gegönnt, die wir in Deutschland haben, und das will gottlob was sagen. Als ein majestätisches Bauwerk wirkt der Dom, von wo immer gesehen … dieser Dom gehört zu dem Edelsten und Feinsten, was die Gotik auf deutschem Boden geschaffen hat.“
 

Karl Emil Franzos, „Aus Anhalt und Thüringen“ (1903)
Kapitel „Erfurt“